Sankt Aldegund, ein Weinort an der Mosel trägt den Namen der Heiligen

Glocken in St. Aldegund

Mit dem Läuten der St. Aldegunder Glocken grüßen wir herzlich alle aus dem Kreis des St. Aldegundis-Netzwerks und darüber hinaus.
 

In der romanischen Alten Kirche läuteten über viele Generationen zwei Glocken: aus den Jahren 1472 und 1521. Eine kleine Glocke, deren Guss auf etwa 1200 von Experten geschätzt wird, läutete im barocken Dachreiter. Diese Glocke läutet heute noch bei besonderen Gelegenheiten.
 

In der neugotischen, 1872 geweihten Pfarrkirche, läuteten vier Bronzeglocken, gegossen etwa 1875. Leider wurden die beiden großen historischen Glocken aus der Alten Kirche und das gesamte Geläute aus der „neuen“ Kirche im zweiten Weltkrieg eingezogen und eingeschmolzen.
 

Schon 1948 erhielt die Pfarrei vier neue Glocken aus Stahl vom „Bochumer Verein“. Bronze war so kurz nach Kriegsende nicht verfügbar.
Um 1970 wurden Risse zwischen dem schlanken, sechseckigen Turm der neugotischen Kirche und dem Kirchenschiff festgestellt. Die Stahlglocken waren einfach zu schwer. Statiker empfahlen, die Geläute stillzulegen. Eine Lösung war aber schon geplant.
Im Rahmen der umfassenden Restaurierung der romanischen Alten Kirche von 1967 - 1971 waren neue Glocken für den mächtigen romanischen Kirchturm eingeplant, die 1971-1972 bei Mark in Brockscheid gegossen wurden.
Es gab noch Aufzeichnungen über Maße, Gewicht und Tonhöhe der beiden historischen Glocken, so dass ein Nachguss möglich war.
 

Es kam eine dritte Glocke dazu, finanziert von den Eheleuten Ludwig, die das Geläute optimal ergänzt.
 

Lautsprecher Glockengeläut anhören  (1.956 KB, mp3)
 

Bericht zu dem Besuch von Pfarrer Otto Dittrich

Pfarrer Otto Dittrich besuchte in den 1970er Jahren im Rahmen seiner Recherchen zur St. Aldegundis-Verehrung auch St. Aldegund an der Mosel. Sein Gesprächspartner vor Ort war Oberstudiendirektor Reinhold Schommers (1936-2000).
 

Hier nun Auszüge aus dem 1976 von Otto Dittrich herausgegebenen Buch „St. Aldegundis, eine Heilige der Franken“.
 

Ungefähr in der Mitte zwischen Trier und Koblenz liegt im lieblichen Moseltal zu Füßen üppiger Weinberge das malerische, nach seiner Patronen benannte St. Aldegund mit 800 Einwohnern (Anmerkung: 2020 noch knapp 600 Einwohner).
 

Mit Fug und Recht darf man es wohl als eine der frühesten christlichen Siedlungen an der Mosel bezeichnen, was aus einem 1953 im Distrikt „Klosterkammer“ entdeckten römischen Steinkammer-Grab zu schließen ist, das in das Jahr 310 n.Chr. datiert wird. Darin ruhte die Domina einer reichen Weinhändlerfamilie. Das beweisen die einmalig wertvollen gläsernen Beigaben, das goldene Amulett, der Elfenbeinstab und der kostbare Brokat. In die Grabplatte war das älteste Christusmonogramm * eingemeißelt.

 

Grabbeigaben aus der frühchristlichen Grabstätte

Die Grabbeigaben aus der frühchristlichen Grabstätte (frühes 4. Jahrhundert). Heute ausgestellt auf der Festung Ehrenbreitstein, Koblenz.

 

Anmerkung: Zu den Grabbeigaben gehörte auch eine blaue Schale in Form eines Schiffchens, eine ganz besondere Rarität, siehe Foto der Grabbeigaben.
 

Die Völkerwanderung hat die Spuren dieses frühchristlichen Lebens verwischt und so taucht der Name des Ortes erst im 11. Jahrhundert aus dem Dunkel der Geschichte auf. Seine erste Erwähnung geschieht 1070. Die erste Urkunde spricht 1097 von ihm, als Propst Poppo von St. Simeon, Trier, seiner Kirche Weinberge zu St. Aldegund übergibt. Nach einer weiteren Urkunde Kaiser Konrads III von 1144 besitzt das Kloster Springiersbach bereits ein Haus mir Weinbergen, Äckern und Wiesen „apud sanctam Aldegundem“.

1193 wird ein „claustrum apud sanctam Aldegundem“ urkundlich erwähnt. Die mündliche Tradition will wissen, dass es sich dabei um ein auf den Mauern einer römischen Villa im Distrikt „Klosterkammer“ errichtetes Kloster der hl. Aldegundis gehandelt habe. Doch lässt sich darüber kein Nachweis erbringen. Das Wort „claustrum“ könnte sich auch auf eine 1351 erwähnte Einsiedelei an der romanischen Kirche beziehen.
 

Die auf einem ehemaligen fränkischen Kultplatz errichtete „alte“ Pfarrkirche mit spätromanischem Turm liegt malerisch über dem Ort. Nach einer im Sommer 1971 im Altargrab gefundenen Urkunde wurde die Kirche am Peter- und Pauls-Tag 1451 vom Trierer Weihbischof nach umfangreicher Sanierung erneut geweiht.

 

St. Aldegund mit der romanischen und der neugotischen Kirche

Blick aus den Weinbergen des „Palmbergs“ auf das historische Dorfzentrum von St. Aldegund mit der romanischen und der neugotischen Kirche.
 

In den Jahren 1968 – 1971 wurde eine sehr gründliche und erfolgreiche Restaurierung der romanischen Kirche durchgeführt, bei der auch wertvolle Wandfresken von 1335 freigelegt wurden. Erwähnenswert ist ein 1601 entstandenes Epitaph mit einer ergreifenden Kruzifix-Darstellung des Trierer Meisters Hans Ruprecht Hoffmann, das im Rahmen der Sanierung wieder für die Kirche zurückgewonnen werden konnte. Nach einem Verkauf um 1880 war das wertvolle Epitaph im Besitz von Kunstsammlern, zuletzt dem Sammler-Ehepaar Peter und Irene Ludwig.
 

Interessant ist auch die Geschichte des Patroziniums der Pfarrei. Von jeher besaß sie nämlich zwei Patrone, den Apostel Bartholomäus und St. Aldegundis, und so ist es bis heute geblieben“
 

Wie ist nun das Moseldorf zu dem Namen „Sankt Aldegund“ gekommen?
 

In seinem 1983 erschienen Buch „St. Aldegund – Portrait eines Winzerdorfes“ schreibt Reinhold Schommers:

„Wie nun der Name der Heiligen zum Ortsnamen von St. Aldegund wird, bleibt letztlich im Dunkeln. Wahrscheinlich ist es die Beziehung zum Stift Pfalzel, dessen Gründerin Adela mit Aldegundis verwandt war.“

Das Stift Pfalzel hatte Landbesitz in dem noch namenlosen Dorf. So könnte die Verehrung der heiligen Aldegundis in das Dorf gekommen sein. Es soll eine Klause an der Stelle der noch gut erhaltenen romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert gegeben haben, wo St. Aldegundis verehrt wurde. Und als die kleinen Dörfer um das Jahr 800 Namen erhielten lag es nahe, dem Dorf den Namen „St. Aldegund“ zu geben.
 

Über Generationen feierte St. Aldegund am Sterbetag der Heiligen, dem 30. Januar, seine „Winterkirmes“. Die Mehrzahl der Bewohner waren selbständige Winzer, so dass der 30. Januar bis in die 1950er Jahre ein dörflicher Feiertag war mit festlichem Hochamt und „Kirmesbetrieb“ auf dem Platz zwischen Dorf und Mosel. Am Tag des Apostels Bartholomäus, dem 24. August, feierte man in ähnlicher Weise die „Sommerkirmes“.

Ein kleiner Wallfahrtsort mit herrlichem Blick auf Dorf und Tal.

Bildstock in St. Aldegund

 

Eine St. Aldegunder Familie hat in diesem Frühjahr zu Ehren der heiligen Aldegundis in einem brach liegenden Weinberg oberhalb des Dorfes einen neuen Bildstock errichtet.

Der Bildstock ist geschmückt meiner einer in Altötting-Bayern holzgeschnitzten und farbig gefassten Statue der heiligen Aldegundis geschmückt.
Die Statue ist ca. 125 cm hoch.